Der Bildhauer Leo Kornbrust (...Fortsetzung)

Der Bildhauer Leo Kornbrust Fortsetzung...von: Cornelieke Lagerwaard

Parallel zu den konstruktiven Arbeiten kristallisierte sich in den 70er Jahren ein zweiter Schwerpunkt heraus, den der Künstler selbst als „den organischen Bereich“ bezeichnete. Das sanfte Auf- und Abschwellen der weichen, runden Formen suggeriert Bewegung, und wirkt so in einem hohen Maße assoziativ. Leo Kornbrust selbst nennt diese Skulpturen etwas ironisch seine „Gurken“ oder „Raviolis“. Auffällig ist, dass sich die beiden Werkgruppen in jüngster Zeit allmählich aufeinander zu bewegen. Während die „Inneren Linien“ wellenartig zu schwingen beginnen, die Konstruktion dieser Arbeiten insgesamt organischer wird, erscheinen in den weichen und fließenden organischen Formen harte Kanten, Ecken und Grate – eine innere Struktur bricht durch.

Auch die strengen „Siebenecken“ werden mitunter zu einer Säule gestapelt und drehen sich hierbei um ihre eigene Achse - wie dies bei der Skulptur vor dem Gebäude der Union Krankenversicherung AG, Saarbrücken, sichtbar wird.

Schriftwürfel, blau-grauer Granit, 42 x 42 x 42 cm, Text von Felicitas Frischmuth u. Bernhard Vargaftig, 1995
Schriftwürfel, blau-grauer Granit, 42 x 42 x 42 cm, Text von Felicitas Frischmuth u. Bernhard Vargaftig, 1995
Skulptur und Schrift
Einen besonderen Stellenwert haben Leo Kornbrusts Schrift - Skulpturen, die seit Anfang der 70er Jahre entstehen. Er hat er mit seiner Frau Felicitas Frischmuth in ihrer langen Lebensgemeinschaft auch auf künstlerischer Ebene eine Form der Zusammenarbeit gefunden,

 

indem sie Skulptur und Poesie, Stein und Schrift vereinen. Sind die Druckbuchstaben auf der ersten „gemeinsamen“ Säule, die vor dem Rathaus im saarländischen St. Ingbert steht, noch eingemeißelt, so wird die Schrift später zur Schreibschrift, d.h. sie ist entweder sandgestrahlt, oder, vor allem bei den kleinen Skulpturen, mit einem sogenannten Vidia-Griffel (ein kleiner Druckluftmeißel, mit dem man relativ fließend, wie mit einem Kugelschreiber, schreiben kann) direkt in den Stein geschrieben.

Zwischen den Jahren 1978 und 1994 war Leo Kornbrust Professor für „Bildhauerei in Verbindung mit Architektur“ an der Akademie der Bildenden Künste in München. Die Formulierung seines Lehrbereichs verdeutlicht, wie wichtig ihm die Beziehung zwischen Kunst und baulichem Umfeld ist. Viele seiner Großskulpturen konzipierte er für den öffentlichen Raum, darüber hinaus gestaltete er auch Fußgängerzonen. Doch heute stimmt ihn die Erfahrung nachdenklich, dass Kunstwerke in den Städten oft ihren Standort wechseln müssen, manchmal auch entfernt oder gar zerstört werden.

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