Leo Kornbrust und die Straße des Friedens (...Fortsetzung)

Leo Kornbrust und die "Straße des Friedens" Fortsetzung...
von Cornelieke Lagerwaard



Als sich 1973 bei Baggerarbeiten in St. Wendel riesige Sandsteinblöcke aus einer Felswand lösten, reifte in Leo Kornbrust die Idee, diese entlang des Saarländischen Rundwanderweges zu setzen und von Künstlern aus aller Welt bearbeiten zu lassen. Die Idee einer Skulpturenstraße war geboren! Später arbeiteten Künstler auch mit anderen Materialien an selbst gewählten Standorten entlang des Wanderweges.

In diesem Zusammenhang spricht Leo Kornbrust von der „Choreografie der Skulptur in der Landschaft“: Wie ein Choreograf arbeitet er mit den Künstlern zusammen und legt Wert darauf, dass das Gesamtkunstwerk an sich stimmig bleibt. Die einzelnen Künstler wählen den Ort selbst, an dem sie arbeiten wollen, reflektieren dabei die Landschaft und, so wie Leo Kornbrust es sagt, finden deren Geist – den Genius Loci – ein bekanntes Phänomen, das besagt, dass bestimmte Orte auch eine besondere Ausstrahlung haben. So wird z.B. eine Kirche oft genau an einen alten, heiligen Ort errichtet. Leo Kornbrust und sein saarländischer Bildhauer-Kollege Paul Schneider stießen so bei ihrer Suche nach geeigneten Standorten auf römische Gräber und eine alte Kapelle bei Gehweiler. Der Künstler James Reineking fand seinerseits den mittelalterlichen Galgenplatz (das Hohe Gericht) von St. Wendel.

 


Portrait Otto Freundlich, Paris 1938
Portrait Otto Freundlich, Paris 1938
Die Straße der Skulpturen in St. Wendel wurde dem von den Nazis, vermutlich im KZ in Lublin/Maidanek, ermordeten jüdischen Bildhauer und Maler Otto Freundlich gewidmet, der gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der Künstlerin Jeanne Kosnick Kloss, bereits Mitte der 1930er Jahren die Idee einer völker verbindenden Skulpturenstraße entwickelte. 1959 präzisierte Jeanne Kosnick Kloss diese Idee, indem sie den Verlauf der Straße vorgab: von der normannischen Küste bis nach Russland sollte sie verlaufen. Im Jahr 2004 wurde ein Verein gegründet, mit dem Ziel, diese Idee in die Tat umzusetzen. Leo Kornbrust wurde Vorsitzender des Vereins. Die europäische Dimension der Straße der Skulpturen – die Straße des Friedens – ist die Bestätigung seines Lebenswerkes.

„An der Damra“ ist es nun dämmrig geworden. Der „Fuji“ ist fast nicht mehr zu sehen. Man begibt sich ins Haus und verbringt den weiteren Abend mit Essen oder einem Gläschen luxemburgischen Elbling. Oder man fährt nach Hause und spürt, dass noch lange nicht alles gesagt ist.

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